Gran Torino mit Clint Eastwood - Von Bambusratten und Heldentum
19.04.2009
Kritik
Gran Torino, der neue Film von und mit Clint Eastwood ist in den deutschen Kinos angelaufen. Was als eher holzschnittartige Komödie beginnt entwickelt sich zur bitteren Tragödie. Etwas vorhersehbar aber doch mit kleinen, feinen Momenten und einem Schl- uss, der das Publikum dann doch gefangen nimmt, bis über den Abspann hinaus.
Das sind eher seltene Momente im Kino: Der Film ist aus, es läuft der Abspann, aber alles bleibt schweigend sitzen. Beeindruckt und berührt bis der Abspann ganz zu Ende ist. Das letzte Bild: Der Lake St. Claire und darüber liegt der Song "Gran Torino". Selten ging ein Schlussbild und ein Song, gesungen von Jamie Cullum, so tief ins Herz.
Song hören:
Um was gehts? Der alte verbitterte Walt Kowalski, Clint Eastwood, lebt alleine unter lauter asiatischen Nachbarn, die er alle schlicht "Bambusratten" nennt und auch so behandelt. Zwischen Wal, dessen Frau ge- storben ist, und seiner asiatischen Nach- barsfamilie bahnt sich langsam und zögernd eine Beziehung an, als er eigentlich wider Willen, dem Nachbarssohn, Thao, das Leben rettet.
Wal wird vom Asiatenhasser zur Vaterfigur für Tao und zum Beschützer seiner asiatischen Nachbarn. Doch dem friedlichen Miteinander steht eine Gang im Weg, die immer wieder versucht, Thao als Mitglied der Gang zu re- krutieren, auch mit brutalen Mitteln.
Wal erkennt, dass weder der junge Tao noch dessen Schwester eine Chance auf ein nor- males, anständiges Leben haben werden, so lange diese Gang in der Nähe ist. Und damit beginnt sein, zunächst brutaler, dann aber überlegter Kampf gegen die Gang. Dieser endet in einem Showdown, den Wal mit ungewöhnlichen Mitteln gewinnt.
Es ist die Geschichte eines Rassisten, der dazulernt, eines alten Menschens, der wieder jung wird, eines Menschen, dem der Sinn im Leben abhanden gekommen ist und der wieder eine sinnvolle Aufgabe bekommt. Es ist ein Film über Vater-Sohn-Beziehungen und über ein klassisches Western-Ende, das diesmal nur eben in Michigan spielt. Man kennt alle Zutaten - aber sie werden hier neu gemixt.
Clint Eastwood, der mittlerweile 79 ist, spielt nicht nur die Hauptrolle, er hat auch Regie geführt. Und an der gibt es durchaus einiges zu kritisieren. Der Film beginnt sehr holz- schnittartig mit der Charakterisierung des Rassisten Walt Kowalski. Clint Eastwood ist aber kein Charakterschauspieler und er hätte es sich selbst ersparen sollen, dabei mi- mische Mittel einzusetzen, über die er wirklich nicht verfügt. Es wirkt übetrieben, unecht und eher lächerlich als lustig.