"Hanna Schygulla und Wolfgang Kohlhaase stehen beide gleichermaßen für Erneuerung und Aufbruch - im Westen und im Osten Deutschlands. Hanna Schygullas Name ist untrennbar mit den Filmen Rainer Werner Fassbinders verbunden. Wolfgang Kohl- haase schlug bereits in seinen ersten gemeinsamen Arbeiten mit dem Regisseur Gerhard Klein eine für die DEFA neue Richtung ein“, kommentiert Berlinale-Direktor Dieter Kosslick die Ehrung.
Hanna Schygulla kam durch Rainer Werner Fassbinder 1967 zum Münchner Action-Theater und spielte zwischen 1969 und 1980 in 20 seiner Filme. Im Rahmen der Hom- mage wird "Rio das Mortes" (1970/71) gezeigt, ein rares Frühwerk, das Utopien und Lebensgefühl der siebziger Jahre mit bizarrer Komik einfängt. Späte Fassbinder-Filme wie "Die Ehe der Maria Braun" (1978/79), für den sie 1979 in Berlin den Silbernen Bären erhielt, und "Lili Marleen" (1980/81) begrün- deten vor allem in den USA Schygullas Ruf als "Nachfolgerin der Dietrich". Sie galt als Fassbinders Muse; durch ihn wurde sie zu einer Ikone des Neuen Deutschen Films und international zu "der Schygulla". Sie arbeitete mit namhaften deutschen Regisseuren wie Reinhard Hauff, Volker Schlöndorff, Marga- rethe von Trotta und Wim Wenders. |
Nach Fassbinders frühem Tod drehte sie mit internationalen Regiegrößen wie Jean-Luc Godard, Carlos Saura, Ettore Scola und Andrzej Wajda. Für die Rolle der Eugenia in Marco Ferreris "Die Geschichte der Piera" (1982/83) wurde sie 1983 in Cannes als bes- te Darstellerin ausgezeichnet. Nach längerer Pause ist die seit 1981 in Paris lebende Künstlerin auch wieder in deutschen Filmen zu sehen - zuletzt in Fatih Akins "Auf der an- deren Seite" (2006/07). Schygullas Viel- seitigkeit zeigt sich nicht zuletzt auch in eigenen Bühnenprojekten und Regiearbeiten: ihre "Traumprotokolle" (1976/2005) haben Eingang in die Sammlung des MoMA gefunden und sind Teil eines Programms mit Videoarbeiten, die Hanna Schygulla realisiert hat und in Berlin präsentieren wird.
Der in Berlin geborene, heute 78jährige Dreh- buchautor und Regisseur Wolfgang Kohl- haase hat das Filmschaffen der DEFA stark geprägt. Er gehört zu jenen ostdeutschen Filmkünstlern, die auch nach dem Fall der Mauer in der Branche erfolgreich blieben. Kohlhaase pflegte die langjährige partner- schaftliche Zusammenarbeit mit Gerhard Klein, Konrad Wolf und Frank Beyer. Später schrieb er für Regisseure wie Bernhard Wicki und Volker Schlöndorff, in jüngster Zeit für Andreas Dresen.
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