Jeanne Moreau, dem Festival seit fast sechzig Jahren verbunden, wurde bereits zur 50. Berlinale für ihr Lebenswerk mit einem Goldenen Ehrenbären geehrt. Die Ikone und Muse der Nouvelle Vague feierte gemeinsam mit Marcello Mastroianni einen ihrer großen Berlinale-Erfolge in Michelangelo Antonionis Film La Notte (Die Nacht), der 1961 den Goldenen Bären gewann.
Die Retrospektive präsentiert die Vielfalt des Festivals mit rund 40 Filmen aus den Sektionen Wettbewerb, Forum, Panorama sowie Generation. Zusammengestellt hat das Programm der renommierte britische Filmkritiker David Thomson: „Ein Festival wie die Berlinale zeigt, wie umstrittene Filme von gestern zu den Klassikern von heute wurden. Daneben stelle ich Filme, die auch heute noch überraschen und provozieren, und freue mich auf angeregte Diskussionen in Berlin”, kommentiert der in den USA lebende Kurator seine Auswahl. Raritäten aus den Pionierjahren des Festivals wie Il Cristo proibito von Curzio Malaparte (Der verbotene Christus, Italien 1950/51), Fröken Julie von Alf Sjöberg (Fräulein Julie, Schweden 1950/51) treffen auf Filme aus der jüngsten Dekade wie Niels Arden Oplevs Drømmen (Der Traum, Dänemark/Großbritannien 2005/06), eine ergreifende Vater-Sohn-Geschichte nicht nur für die junge Generation, und Paul Thomas Andersons Magnolia (USA 1999), der 2000 mit einem Goldenen Berliner Bären ausgezeichnet wurde.
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„Von außergewöhnlicher Brisanz waren jene Filme, die die Festivalroutine aus politischen oder ästhetischen Gründen aus den Fugen geraten ließen und dadurch besonders im Gedächtnis geblieben sind“, sagt Rainer Ro- ther, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek und Leiter der Retrospektive.
Aufsehen erregte beispielsweise 1976 Nagisa Oshimas Ai no corrida (Im Reich der Sinne, Japan/Frankreich 1975/76): Nach der ersten Vorstellung des Films wurde die Kopie von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt und gegen den Leiter des Internationalen Forums des Jungen Films, Ulrich Gregor, wurde Anklage wegen „Verbreitung von Pornographie“ erhoben.
 Rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan: Oshimas "Im Reich der Sinne"

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