Aus dem soliden, eher zurückhaltenden Ensemblespiel ragt vor allem Xu Caigen als ungeliebter Ehemann heraus. Der ist von Anfang an damit einverstanden, dass seine Lebensgefährtin ihr Glück findet, auch wenn er sie zuerst heiraten muss, um sich dann von ihr scheiden zu lassen. Feinsinnig und ironisch arbeitet er die Widersprüche seiner Figur zwischen Fatalismus und Lebens- freude heraus und macht den düpierten Ehemann zum eigentlichen Sympathieträger des Films.
Regisseur Quan'an setzt auf ruhige Bilder und lenkt die Aufmerksamkeit auf den Dialog. Die Erinnerungen und Lieder der alten Menschen übertönen den Baulärm und den Ruf nach Geld in der betongrauen Finanz- metropole Schanghai. |
Die Alten treten für den Erhalt der Tradition ein und versuchen, das Auseinanderbrechen der Großfamilie zu verhindern. Wenn sie über ihr eigenes leidvolles Schicksal in den Wirren des Bürgerkrieges sprechen, thematisieren sie das schmerzliche Trauma eines geteilten Volkes, das im heutigen China immer noch tabu ist.
Trotz oder gerade wegen seiner unspek- takulären, prosaischen Annäherung an die Lebensgeschichten einfacher Menschen gewinnt "Together Apart“ eine politisch-historische Dimension und soziale Brisanz. Statt auf Glanz und Glamour setzt zumindest der Eröffnungsfilm der Berlinale auf leise Töne, und das steht dem Geburtstags-Filmfestival gut zu Gesicht.
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