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Der Plot ist scheinbar klar: 1952, mitten in Kaltem Krieg und Kommunistenhatz, erhält der US-Marshall Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) samt Partner (Mark Ruffalo) den Auftrag, im Bundesgefängnis für psychisch kranke Kapitalverbrecher auf Shutter Island vor der Küste Bostons den Fall einer ent- flohenen dreifachen Kindsmörderin zu lösen.
Liebevoll nostalgisch taucht Scorsese die Anfangssequenz in eine sepiafarbene Film-Noir-Stimmung, nur um den Zuschauer dann auf einen gut zweistündigen Höllenritt durch die Abgründe der Seele seines Protagonisten zu führen. Die Verbrecherin, die er am Ende findet, hat mit der, die er sucht, allerdings wenig zu tun. Szenerie und Personal des Insel-Settings gleichen dabei einer sturmgepeitschten Albtraum-Version von Dürrenmatts "Die Physiker“, beherrscht von Ben Kingsleys fein getunter Darstellung des aalglatten und undurchsichtigen Anstaltsleiters, der sich gegen die Polizeiermittlungen sperrt und DiCaprios US-Marshall psychologisch zu demontieren versucht.
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Nach "The Aviator“ ist die Rolle des intelligenten, aber gebrochenen und durch eine Familientragödie traumatisierten Poli- zisten Leonardo DiCaprios größte schau- spielerische Kraftprobe. Und er, der mit Scorseses Filmen aufgewachsen und in Scorseses Filmen in den Schauspielberuf hineingewachsen ist, meistert sie mit Bravour. Atemlos folgt man den emotionalen Wechselbädern seines Protagonisten, dem Changieren zwischen Realitätssinn und traumatischen Wahnbildern, dem Zerbrechen seiner als so sicher postulierten Identität.
Die Lösung des Plot-Motors 'Cherchez la femme' allerdings hinterlässt in beiden sehr stark von Männerfiguren dominierten Filmen einen schalen Nachgeschmack. Die Motivlage der Frauen, die am Filmende als die Schuldigen ausgemacht werden, ist äußerst dünn und problematisch. Kommt da etwa zum zunehmenden politischen und persönlichen Grundgefühl der Angst nach dem Trauma von 9/11, als dessen Reflex man die beiden Filmstoffe durchaus betrachten kann, eine ordentliche Portion Misogynie hinzu? Hitchcock lässt grüßen!
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