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Berlinale 2010: Doris Dörries "Die Friseuse" Kinostart: 18.02.2010
14.02.2010
Kathi aus Marzahn oder: Die Hölle ist relativ
Der erste Berlinale-Sonntag brachte ordent- lich was zum Schmunzeln und Lachen: Im Wettbewerb ging Zhang Yimous "A Woman, a Gun and a Noodle Soup“ an den Start, ein opulentes und überdrehtes Remake von "Blood Simple“, ins historische China trans- poniert. Ihm folgte am Abend die US- Independent-Komödie "Greenberg“, die mit viel Witz und Empathie die Spleens und Ängste eines 40jährigen Lebensphobikers aufspießt. In der Sektion 'Berlinale Spezial stellte Doris Dörrie ihre nagelneue Komödie "Die Friseuse“ vor.

Kathi König (Gabriela Maria Schmeide) hat einen reichlich dimensioniertern Birnenpo und eine gehörige Portion Lebensopti- mismus. Sie trägt bonbonbunte Kleider und schön kitschigen Plastikfruchtschmuck. Den Reißverschluss ihres eng sitzenden Kleides lässt sie sich praktischerweise schon mal in der U-Bahn aufmachen ("zu Hause ist ja niemand"), in der Arbeitslosenwarteschlange nimmt sie einen Hocker mit. Sie hat's nicht leicht, nicht nur, was die Kilos anbetrifft. Ihr Ex-Mann lebt mit der Frau, mit der er sie ein Jahr lang betrogen hat, weiterhin im gemein- samen Einfamilienhaus, während die gelernte Friseurin in der Marzahner Platten- bau-Tristesse daran geht, ihr Leben zu meistern.
"Diskriminierung ist mein zweiter Vorname“, witzelt Kathi, obwohl sie innerlich sehr darunter leidet, dass man ihr den Friseurjob beim angesagten Salon im Marzahner Eastgate mit dem vernichtenden Kommentar "Sie sind nicht ästhetisch“ verweigert. Und das, obwohl sie schuften kann "wie eine aserbaidschanische Brotspinne“. Aber sie lässt sich nicht unterkriegern (!) und setzt alles daran, den leerstehenden Asia-Imbiss nebenan zum Frisiersalon umzumodeln ("Frisieren statt frittieren!“).

Dafür braucht die Neuunternehmerin 2500 Euro Cash, die sie sich zunächst als mobile Friseurin in einem Altersheim zu verdienen versucht. Ihre kreativen Frisurenideen kann sie da allerdings einpacken, denn bei den älteren Damen mündet die ultimative Vorstellung von Style immer im gleichen Satz: "Ich hab immer Dauerwelle und Silbergrau“. Als eine der Damen ihr unter der Trocken- haube wegstirbt, muss sich Kathi nach einer anderen Geldquelle umtun. Einer, die schnelles Geld bringt. Legal ist das dann nicht, aber für Kathi beginnt damit wirklich ein ganz neues Leben. Und ein Mann stellt sich auch ein, auch wenn sie Kathis Meinung nach zusammen aussehen "wie eine Elefantenkuh und ein Windhund".
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