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Im Berlinale Wettbewerb: "Margin Call"
11.02.2011
Sei schnell, sei schlauer oder betrüge!
Der erste Wettbewerbsbeitrg der Berlinale verbreitet Krisenstimmung: "Margin Call“ zeigt den Beginn der Finanzkrise 2008 als Mischung aus coolem Finanzwelt-Thriller und Shakespear'scher Tragödie. Auf dem Roten Teppich sorgen Kevin Spacey und Jeremy Irons für den nötigen Star-Appeal.

Der Moloch New York im Bullauge der Kamera. So beginnt "Margin Call", ein strin- gent inszenierter Thriller über die letzten 24 Stunden einer Investmentbank vor dem drohenden finanziellen Bankrott. Ein Exeku- tioskommando dünnt mit leerem Gesicht und glatten Höflichkeitsfloskeln die Belegschaft 'der Firma' aus. Die Finanzflaute fordert erste (Bauern)Opfer, darunter auch Eric Dale (Stanley Tucci). Man drückt ihm die tröstliche Broschüre "Blick nach vorn" in die Hand und komplimentiert ihn aus dem Gebäude. Bevor er geht, steckt er einem Kollegen wichtige Information zur Geschäftslage der Firma zu. Das Unternehmen laviert am Rand des Ruins. Im Lauf der Nacht entscheiden einige wenige Männer über das Schicksal der Bank, der Wall Street und der gesamten Finanzwelt.

Die einzige Quotenfrau im inneren Kreis der Macht muss als Sündenbock herhalten. Demi Moore macht das beste aus der karg ange- legten Figur.
Den Dialog-Kuchen teilen sich dann so gestandene Mimen wie Jeremy Irons, Paul Bettany und, last not least, Kevin Spacey als altgedienter Börsianer Sam Rogers. Der Firma seit 34 Jahren treu verbunden, ist er der einsame Warner in der Wüste und der einzige, der gegen den blanken Utilitarismus der Systembediener den moralischen Zeige- finger erhebt. Er wolle lieber Löcher in die Erde graben, wettert er irgendwann gegen das unproduktiv schmarotzerische Banker- dasein an, da könne er nach der Arbeit wenigstens sehen, was er getan habe. Die Löcher, die durch die Gier und Verant- wortungslosigkeit in den Büchern der Firma entstanden sind, kann keiner der Beteiligten mehr stopfen. Nicht einmal der big Boss, ein Finanz-Diktator, der sich dünnlippig arrogant an seinen Chefsessel klammert und seine Adlaten wie Schachfiguren über das Parkett schiebt. Als deus ex machina schwebt er mit dem Hubschrauber ein und ersinnt nach dem Motto "Sei schnell, sei schlauer oder betrüge" einen Coup, der die gesamte Finanzwelt implodieren lassen wird. Jeremy Irons, ehemaliges Mitglied der Royal Shakespeare Company, spielt ihn wohlartikuliert in einem Mix aus König Lear und Richard III. Dabei würzt seine Figur das autokratische Vabanque-Vorgehen mit einer gehörigen Portion Zynismus: "Es ist nur Geld. Fetzen Papier, die wir erfunden haben, damit wir einander nicht umbringen, um zu essen."

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