 |
"Sex sells" und Tiere auch - hatten sich wohl die Macher von "Animals in love" gedacht. Herausgekommen ist ein Film, der genauso gut "Das lustige Balzverhalten der Vögel und Hirsche" hätte heissen können. Ein letztes Winken der Tierdokumentationen im Kino - wer jetzt noch zahlt, ist selber schuld.
Tief im Kinosessel eingesunken, vernimmt man gegen Ende die erlösenden Schlussworte, als die Sprecherin pflichtbe- wusst und lustlos den Betroffenheitston anschlägt. Sie säuselt etwas von dem wahren Wunder des Lebens, der Liebe, daß unser Planet der Schönste von allen sei und es in unserer Hand läge, ihn zu erhalten. Die Frau ist rumgekommen, möchte man daraus ableiten. Selten ist eine wichtige Botschaft so uninspiriert vermittelt worden.
Mit gleicher Sachkompetenz hat sie 85 min lang einen Film dokumentiert, der völlig zurecht keine 5 Minuten lang die Fernbedienung im Wohnzimmer überlebt hätte. Ebenso gut hätte man Paris Hilton die Kommentierung überlassen können, obwohl halt, vielleicht hätte das sogar unterhaltsam gewirkt.
Das einzig Gute an dem Film ist die Musik von Philip Glass und stellenweise die Kameraführung, die den ein oder anderen schönen Blickwinkel erlaubt. Regie geführt und mitgedreht hat Laurent Charbonnier, der damals an der spektakulären Zugvögel-Doku "Nomaden der Lüfte" mitgewirkt hat, die ein neues Zeitalter der Tierdokumentation einzuläuten schien. Dem Kameramann ist mit diesem Film ein Absturz aus luftigen Höhen widerfahren. |
 |
"Animals in love" kann trotz aller ausgefeilten Technik nicht einmal den Tierfilmern Heinz Sielmann und Bernhard Grzimek das Wasser reichen, die sich in den 80ern, um die Bildung der Fernsehzuschauer verdient gemacht haben. Charbonnier's Aneinander- reihung von balzenden Vögeln (und Hirschen) hatte weder spektakuläre Aufnahmen, noch irgendeinen Informationsgehalt zu bieten.
Jegliche Information fiel verniedlichenden Metaphern zum Opfer, die allesamt darauf abzielten, Tiere zu "niedlichen, kleinen Menschen" zu machen und jeglichen Sinn für wissenschaftliche Objektivität der Quote zuliebe über Bord zu werfen. Hauptsache süss. Schade auch, daß dem Zuschauer Bilder gezeigt wurden, die zwar interessant sind, wie z.B. das Nest des Laubenvogels, dessen skurile Fixierung auf alles Blaue, schön ins Bild gerückt war, aber leider mit keinem Wort erwähnt wurde und somit der ganz blaue Müll im Nest für die breite Masse nichtssagend blieb.
Wer sich diesen Film trotzdem ansieht, ist entweder selbst schuld oder hat kleine Kinder. Unerträglicher Kitsch mit unterir- discher Kommentierung.
Bilder: Universum Film
|
 |