Höhen, Tiefen und ein gelungener Neustart
In den letzten Jahren versuchten mehrere Betreiber ihr Glück mit diesem traditionsreichen Hause. Doch erst mit der jüngsten Neueröffnung im September dieses Jahres gelang es, in der Gaststätte ein in Halberstadt einmaliges Ambiente zu schaffen. Zudem erinnert ein Blick in die Speisekarte an die sozialdemokratische Tradition - reichhaltiges und gutes Essen zu fairen Preisen. Und das freundliche Servicepersonal informiert gern und kompetent über die Geschichte von „Bollmanns Gaststätte“ und die Sehenswürdigkeiten des Harzes. Ein Ort, an dem sich nicht nur Sozialdemokraten wohl fühlen.
Essen und Trinken an einem historischen Ort
Bereits ein Jahr nach der Gründung des Arbeiterbildungsvereins im Jahr 1862, gründete dessen Initiator August Heine wieder in diesem Lokal die Halberstädter Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, des Vorläufers der heutigen Gewerkschaften. Im September 1871 wurde hier schließlich die SPD-Ortsgruppe Halberstadt ins Leben gerufen. Zu dieser Zeit zählten neben August Bebel, Wilhelm Liebknecht und Friedrich Ebert zahlreiche prominente Sozialdemokraten zu den Gästen.
Während der politischen Verfolgung der Sozialdemokraten auf Grund der Bismarckschen Sozialistengesetze ermöglichte die Wirtin Johanna Bollmann der noch jungen Partei halbwegs geschützte Versammlungen. Die Nachfolgerin, Johannas Schwiegertochter Minna Bollmann war eine engagierte Frauenrechtlerin, saß sowohl im Halberstädter Stadtrat als auch im Preußischen Landtag. Neben zahlreichen Fotos erinnern auch Wahlkampfplakate im Restaurant an diese Zeit. |
Auch während der Zeit des Nationalsozialismus führte Minna Bollmann das Lokal fort- stets misstrauischen beobachtet von den Nazis, bis das Lokal im Jahr 1935 vorübergehen geschlossen wurde. Ihrer unmittelbar bevorstehenden Verhaftung entzog sich Minna Bollmann auf dem Dachboden des Hauses durch den Freitod.
Zwar wurde kurz darauf die Schließungsverfügung aufgehoben und der Sohn Minna Bollmanns, Otto, führte das Gasthaus fort. Doch wurde auch er 1936 verhaftet und zu sechs Jahren Zuchthaus und sechs Jahren Konzentrationslager verurteilt, die er überlebte.  Ein Porträt von Minna Bollmann in einem der Räume

Verfolgung auch im „sozialistischen“ Deutschland
Otto Bollmann war davon überzeugt, nur in einer linken Einheitspartei ein Wiederaufleben des Faschismus verhindern zu können. Deshalb schloss er sich der SED an. Das Gasthaus überschrieb er der Konsumgenossenschaft. Dieser Schritt machte ihn zum Angestellten im einstigen Familienbesitz. Seine politische Einstellung erwies sich jedoch als folgenschwer. |