Seit zehn Jahren gibt es wieder Wölfe in der Lausitz. Rund 40 Wölfe in sieben Rudeln verstreuen sich in diesem menschenleeren Gebiet rund um die Truppenübungsplätze und Tageabbaugebiete im Norden Sachsens und im Süden Brandeburgs. Es ist die größte Wolfspopulation Deutschlands - und die Lausitzer sind stolz darauf.
Der Freistaat Sachsen lässt sich seine Wölfe etwas kosten. Rund 500 Euro fallen jährlich für getötetes Wild an - dazu die Per- sonalkosten der besten Zoologen auf dem Gebiet für Canis lupus lupus, wie die Wölfe richtig heißen. Einer dieser Experten ist der Zoologe Hermann Ansorge vom Görlitzer Natur- kundemuseum. Bei ihm laufen die Fäden der sächsischen Wolfsforschung zusammen. Er begleitet die Wiederan- siedlung und vor allem auch den Schutz der seltenen Tiere in der Lausitz. In seinem Labor im Naturkundemuseum werden vor allem die Nahrungsanalysen und genetische Untersuchungen vorgenommen.
Die Wölfe freuen sich über soviel Aufmerk- samkeit und zeugen mächtig Nachwuchs. Über 100 Welpen wurden in der Lausitz seit dem Jahr 2000 geboren, 26 allein im vergangenen Jahr. Hermann Ansorge weiß, was die Tiere schätzen: "Das menschen- leere, aber wildreiche Gebiet ist ideal für die Ansiedlung von Wölfen, die aus Westpolen über die Neiße schwimmen". Neben einem Rudel in Sachsen-Anhalt sind die Lausitzer Wölfe nachweislich zudem die Einzigen, die sich hier auch fortpflanzen.
|
Aber auch im 21. Jahrhundert, in der digitalen Welt von Facebook und Google, taugt der Wolf zum Sündenbock und Bösewicht. Er hat ein schlechtes Image, dabei ist dies völlig ungerechtfertigt: Er schlägt kaum Nutztieren, sondern " hauptsächlich Schalenwild, Rehe, Wildschweine und Rothirsche, nur 0,5 Pro- zent Nutztieranteil", sagt Hermann Ansorge. Bisher habe er nur einmal die Reste eines Arbeitshandschuhs aus Leder gefunden in einem Wolfsmagen gefunden.
Deshalb ist vor allem die "Arbeit am Men- schen" gefragt. Denn er ist der einzige Feind des Wolfes - völlig zu unrecht. Lobbying für den Wolf, das ist die Aufgabe von Jana Schellenberg im Kontaktbüro in Rietschen. Sie rechnet denn auch vor, dass die Anzahl der gerissenen Schafe in der Region Lausitz trotz steigender Wolfszahlen jedes Jahr zurückgehen. Wahrscheinlich, weil sich in dieser menschenleeren Region zunehmend auch die natürlichen "Opfer" wie Rehe und Hirsche wieder vermehren.
|