SWF - dieses Kürzel steht für „Sovereign Wealth Funds“ - staatliche Investmentfonds. In diesen Fonds parken Länder ihre Finanzüberschüsse und investieren diese in lukrative Anlagen in internationalen Märkten. SWF - dieses Kürzel steht seit Monaten auf Konferenzprogrammen und Terminkalendern von Abgeordneten und Lobbyisten in Washinton DC. Denn in Zeiten, in denen die amerikanische Wirtschaft von Immobilien- und Finanzkrise geschwächt ist, ist die zunehmende Investitionstätigkeit der Fonds hier im Land ins Zentrum des Interesses gerückt.
Hinter den SWF stecken milliardenschwere Fonds von Ländern wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland und China - Länder mit grossen Vorkommen an Bodenschätzen oder Handelsüberschüssen.
Die 15 grössten SWF der Welt - rund die Hälfte entfällt auf den Mittleren Osten und etwa ein Viertel auf Asien - verwalten zwischen 2 und 3 Billionen US-Dollar. Schätzungen zufolge sollen ihre Reserven in den nächsten fünf Jahren auf 5 Billionen US-Dollar, und in den nächsten zehn Jahren auf 10 Billionen US-Dollar anwachsen. Sieben SWF verzeichnen mehr als 100 Milliarden US-Dollar je Fond. Es dreht sich hiermit um Investitionsvehikel, die durch ihre immensen Summen durchaus die Wirtschaft eines Empfängerlandes beeinflussen können.
SWF sind kein neues Phänomen. Sie existieren seit mehreren Jahrzenten. Finanzüberschüsse in südostasiatischen und erdölexportierenden Ländern und globale makroökonimische Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft haben jedoch zu einem raschen Wachstum der SWF in jüngerer Zeit geführt. |
Es gibt prominente Beispiele für den wachsenden Einfluss der Staatsfonds in internationalen Märkten: so investierte der Staatsfond von Abu Dhabi im Juli dieses Jahres acht Milliarden US-Dollar in ein Joint Venture mit General Electric, dem amerikanischen Technologie- und Finanzriesen. Und das amerikanische Finanzhaus Merrill Lynch wurde erst kürzlich durch den Singapur Staatsfond Temasek gerettet. Siemens und die Deutsche Börse haben ebenfalls Interesse an Finanzspritzen durch ausländische Staatsfonds angemeldet.
Die verstärkte Aktivität der Staatsfonds im US-Markt hat zu wachsender Besorgnis im Kongress geführt. Die Abgeordneten befürchten, dass das Engagement der SWF industriepolitisch motiviert ist.
Die wachsende protektionistische Stimmung im Kongress hat inzwischen auch konkrete Auswirkungen: Zum Schutze nationaler Sicherheitsinteressen sollen in den USA nunmehr auch solche Investitionen einer Prüfung unterzogen werden, bei denen weniger als 10 Prozent eines US-Unternehmens aquiriert werden sollen. Erstmals wären damit auch Beteiligungen unter zehn Prozent nicht mehr von der Prüfung des Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) - dem Kontrollausschuss für ausländische Investitionen in den USA -ausgenommen.
Auch Deutschland hat reagiert. Auf Druck von Kanzlerin Merkel will die Regierung künftig ebenfalls Akquisitionen deutscher Firmen durch ausländische Investoren prüfen. Das gegenwärtige Interesse des Staatsfonds von Singapur an der deutschen Reederei Hapag-Lloyd, aber auch vermehrtes Interesse der Russen und Chinesen an deutschen Anlagen sorgt für Unruhe. |