Was die Stromversorgung angeht, fühlt man sich als Deutsche in den USA manchmal wie in einem Entwicklungsland. Zu oft fällt die Stromversorgung für Stunden oder auch Tage aus.
Im Sommer, wenn es in grossen Teilen der USA tropisch heiss ist, ist es die Überanspruchung des Stromnetzes durch die Klimanlagen, die Ausfälle verursacht. Das Netz kann mit der Nachfrage nicht Schritt halten.
Im Frühjahr oder im Herbst sind es oft die Stürme, die durchs Land fegen. Sie haben leichte Beute: der Grossteil des amerikanischen Stromnetzes verläuft nämlich, im Gegensatz zu Deutschland, überirdisch. Als im Sommer 2003 Hurricane Isabel durch Washington zog, musste ich eine Woche lang bibbernd eiskalt duschen - in meiner Strasse waren mehrere Stromleitungen und -maste von herunterfallenden Ästen heruntergerissen worden. Der Stromversorger Pepco kam den nötigen Reparaturen in der Gegend kaum nach. Allerdings war mein Kreislauf sieben Tage lang auch schon früh morgens in bester Verfassung.
Die Obama-Regierung will nun Abhilfe schaffen. Sie hat Milliarden von Dollar für die Aufrüstung des amerikanischen Stromnetzes bereitgestellt. Das Ziel: ein “smart grid”, ein “intelligentes Netz”.
Die Aufbesserung des Stromnetzes in den USA ist dringend nötig. Es ist inzwischen an die 120 Jahre alt. Bestehend aus verschiedenen zusammenhängenden privat |
geführten Netzen generiert das gesamte Netz heute über 1 Million Megwatt Strom über insgesamt 5.5 Millionen Meilen Netzinfrastruktur. Das wird allerdings nicht mehr lange ausreichen.
Schon in den 90er Jahren nahm die Zuverlässigkeit des Netzes stark ab. Allein der zweiten Hälfte der Dekade gab es 41 Prozent mehr Stromausfälle als in der ersten. Über 50 000 mehr Kunden waren dadurch betroffen.
Andere Faktoren fordern zum Handeln: die Nachfrage soll bis 2030 um 30 Prozent steigen. Das Netz in seiner jetzigen Form kann dem nicht nachkommen. Gleichzeitig wird erwartet, dass die Strompreise in den kommenden sieben Jahre um über 50 Prozent steigen werden.
US Staaten, Kommunen und Betreiber haben das Problem ebenfalls erkannt. Sie wollen nun Gebrauch machen von den Fördergeldern der Regierung. Insgesamt $4.5 Milliarden Dollar stehen zur Verfügung.
Viele Projekte laufen bereits. Mit dabei sind deutsche Firmen wie T-Mobile, SAP und Siemens. Sie bieten sogennante “Smart Meter” Technologien an. Durch diese Smart Meter können Kunden ihren Stromverbrauch individuell einstellen und überwachen. So zeigt der Smart Meter zum Beispiel an, wann es sinnvoll ist, die Waschmaschine laufen zu lassen, da der Strom preiswerter ist. Ein T-Mobile Kunde kann solche Information auch über sein Handy ablesen, sofern es durch eine spezielle Sim Card mit einem Smart |