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Gesellschaftliches aus den USA
28.04.2011
Sweet Tea vs. Starbucks
Als im April 1861 der Schuss fiel, mit dem der amerikanische Bürgerkrieg begann, gehörte Washington DC geografisch und kulturell zu den Südstaaten der USA. Heute, 150 Jahre später hat der Südstaatencharakter der Stadt stark abgenommen. Zahlreiche Einwanderungsströme haben dazu beigetragen, dass das Gepräge der Stadt und ihrer Umgegend heute sehr viel vielschichtiger ist.

Verlässt man die Stadt in Richtung des internationalen Flughafen Dulles, fährt man durch den Hochtechnologiekorridor von Nordvirginia. Firmen wie AOL, Microsoft, Rolls Royce und XO Communications sind dort angesiedelt. Die umliegenden Vororte sind multikulturell - koreanische, vietnamesische und lateinamerikanische Einwanderer sowie Zuwanderer aus anderen Teilen Amerikas haben sich dort neue Heimaten geschaffen. Die dort ansässige relativ wohlhabende indische Gemeinschaft war in der letzten Präsidentschaftswahl ein wichtiger Förderer der Demokraten in Virginia.

Die veränderte Zusammensetzung der Bevölkerung und die sich daraus veränderten kullturellen Einflüsse geben dem ehemaligen Herzen der Südstaaten ein neues Gesicht. Wo vor 200 Jahren Tabakanbau, zuckersüsser Schwarztee -- “Sweet Tea” -- und die Südstaatenflagge - die “Confederate Flag” - dominierten, finden sich heute koreanische BBQ und der aus Seattle stammende Starbucks Kaffee.

“Mit der Zuwanderung von Menschen aus anderen Teilen der USA verschiebt sich die Mason Dixon Linie - die Grenze zwischen Norden und Süden mehr und mehr in Richtung Süden,” sagt H. Gibbs Knotts,
Professor an der Western Carolina University. Er und ein Kollege veröffentlichten 2010 eine Aufstellung aller Unternehmen mit “Dixie” im Namen. Das Wort “Dixie” bezeichnete einst die Staaten, die sich im Bürgerkrieg dem Südstaatenbündnis anschlossen. Knotts zufolge gibt es in Washington nur noch ein Geschäft, dessen Namen das Wort “Dixie” enthält - es verkauft Alkohl im schicken Stadtteil Georgetown.

Sharon Ash, Linguistin an der University of Pennsylvania, teilt diese Einschätzung. Noch 1941 zählte eine Studie die direkte Washingtoner Umgegend hinsichtlich des dort gesprochenen Dialekts zu den Südstaaten. Ein von Ash 2005 veröffentlichter Sprachenatlas aber zieht die nördliche Grenze der Südstaaten inzwischen 108 Meilen (174 km) südlich von Washington, in der Nähe von Richmond, der ehemaligen Hauptstadt des Südstaatenbündnis.

Ash und Knotts zufolge zeigen ihre Studien, dass die Grenze zwischen Nord- und Südstaaten, die sogenannte “Mason-Dixon Line” immer durchlässiger wird. Die Mason-Dixon Line war um 1763 herum von Charles Mason und Jeremiah Dixon gezogen worden, um Streitigkeiten zwischen den amerikanischen Kolonialisten und der englischen Krone beizulegen. Im amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 befand sich Washington DC mitten im Zentrum der Kriegsschauplätze und damit in der Auseinandersetzung um die politische Zukunft Amerikas. In direkter Nähe zur Stadt liegen namhafte Orte wie Antietam, Fredericksburg und Bull Run, wo tausende von Soldaten ihren Tod fanden. Die 15000 Gräber ausserhalb von Fredericksburg, eine Stunde von Washington entfernt, rufen die
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