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Erdbeben und Hurricane: Test fuer den amerikanischen Heimatschutz
27.08.2011
Gesellschaft in den USA
Das Erdbeben, das am 24. August die Ostküste der USA bewegte, zeigte einmal wieder, dass die Hauptstadt Washington auch noch zehn Jahre nach den Terroranschlägen des 11. September nur unzureichend auf Notfälle vorbereitet ist.

Trotz der hohen Gelder, die für die Vorbereitung von Notfallmassnahmen in der vergangenen Dekade ausgegeben und der zahlreichen Brochuren, die ins Netz gestellt und verteilt worden waren, war den meisten Menschen in der Stadt nach dem Beben nicht klar, wie sie reagieren sollten.

Das Erdbeben der Stärke 5.8 löste verständlicherweise Unsicherheit aus. In Abwesenheit klarer Anweisungen der Behörden aber war unklar: sollte man die Stadt evakuieren oder sollte man vorort bleiben? Gab es Schutzunterkünfte für eventuelle Nachbeben? Würden Bahn und Busse weiterhin fahren? Sollte man sich angesichts des allgemein von Problemen belasteten Untergrundbahnsystem vielleicht doch lieber auf das eigene Auto verlassen?

Die Unsicherheit führte dazu, dass die meisten Menschen so schnell wie möglich die Stadt verlassen und zu ihren Familien wollten. Die Folge war eine recht desorganisierte Evakuierung der Stadt. Der Verkehr kam grösstenteils zum Erliegen und viele brauchten Stunden, um nach Hause zu kommen. Die Mobilfunknetze waren hoffnungslos überlastet und waren stundenlang ausser Betrieb. Hatte man ein Smartphone und einen entsprechenden Vertrag konnte man bestenfalls noch Emails versenden.

Das dem Beben folgende Chaos zeigt,
dass das Heimatschutzsystem in den USA noch Unzulänglichkeiten aufweist. Washington mit seinem besonderen Status als Stadt mit einer eigenen städtischen Verwaltung und gleichzeitigem Sitz der Bundesregierung ist davon besonders betroffen.

Die grosse Anzahl der Behörden mit ihren teilweise überlappenden Zuständigkeiten macht das System komplex und erschwert Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse. Auch für die Kommunikationssysteme für Polizei und Notfallpersonal in Washington und den umliegenden Staaten Maryland und Virginia gibt es unterschiedliche lokale und regionale Zuständigkeiten. Evakuierungsrouten, die nach den Terroranschlägen des 11. Septembers eingerichtet worden waren, werden oft von Bürgern ignoriert, was die Regelung des Verkehrs behindert.

In einem Beitrag auf der Internet Plattform „Daily Kos“ moniert Jessica Raddack die weiterhin bestehenden Unzulänglichkeiten der Notfallmassnahmen in Washington. Auch Washington Post Kolumnist Robert McCartney beanstandete das Chaos in Washington nach dem Erdbeben und forderte Bürger und Behörden auf, das Beben zum Anlass zu nehmen, sich auf den nächsten Notfall besser vorzubereiten.

Der nächste Test steht bereits vor der Tür: Hurricane Irene, der gerade die Ostküste hinaufzieht, soll in wenigen Stunden Washington erreichen. Erwartet werden Winde mit bis zu 95 km pro Stunde und massive Regenfälle. In Washington sowie in Virginia und Maryland wurde bereits der Notstand ausgerufen.
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