„Undenkbar.“ „Chaos.“ „Ein Gefühl der Verwundbarkeit.“ So beschreiben amerikanische Journalisten die Ereignisse des 11. Septembers 2001, als neunzehn Männer vier Linienflugzeuge entführten und drei davon in den World Trade Center und das Pentagon flogen. Das vierte stürzte über einem Feld in Pennsylvania ab. Zweitausendneunhundertsechsundneunzig Menschen starben in den Anschlägen an diesem Tag.
Die Anschläge trafen Amerika nicht nur unvorbereitet sondern auch in seinen symbolisch wichtigen Zentren der Finanz- und Militärwelt. Ein Schock für ein Land, das sich bis dahin unverwundbar gefühlt hatte. Auch Amerikas Journalisten konnten an diesem Tag nur schwer die Distanz wahren, zu stark war der Horror der Geschehnisse.
Die Ereignisse des 11. September hatten profunde Auswirkungen nicht nur auf die amerikanische Gesellschaft und Politik, sondern auch auf den amerikanischen Journalismus.
Der stand in den darauffolgenden Jahren vor massiven neuen Herausforderungen. Nach Jahren des Abbaus von Auslandskorrespondentenposten erforderten die Kriege in Afghanistan und Iraq eine neue Generation von Kriegskorrespondenten. Journalisten wie Martha Raddatz von ABC News, die jahrelang über das Pentagon in Friedenszeiten berichtet hatte, berichteten nun in wochenlangen Aufenthalten von der Front.
Auch in Washington gab es erhebliche Veränderungen. Unter George W. Bush wurde die Regierung institutionell nicht nur umorganisiert, sondern auch massiv |
erweitert. Das 2002 neu geschaffene Ministerium für den Heimatschutz (Department of Homeland Security) nahm 22 bestehende Bundesbehörden in sich auf und beschäftigt heute über 200.000 Menschen. Das bald nach dem 11. September verabschiedete „Patriot Act“ Gesetz brachte zusätzlich eine Einschränkung der amerikanischen Bürgerrechte in größerem Maße mit sich.
Menschen ohne US-amerikanische Staatsbürgerschaft, die unter Terrorismusverdacht standen, durften nun ohne Gerichtsverfahren für unbestimmte Zeit festgehalten werden. Die richterliche Kontrollinstanz bei Telefon- oder Internetüberwachung wurde weitgehend aufgehoben und die Abhörrechte des FBI deutlich erweitert. Hausdurchsuchungen ohne Wissen der betreffenden Personen waren nun möglich. Ebenso möglich war die Einsicht in die finanziellen oder andere Daten von Privatpersonen ohne vorliegende Beweise. Die Regierung hatte den „War on Terror“ angekündigt.
Vor dem Hintergrund dieser erheblichen Veränderungen in der amerikanischen Politik, sah sich der amerikanische Journalismus mit starker Kritik konfrontiert. Prominenten Zeitungen wie der Washington Post oder der New York Times wurde vorgeworfen, die Massnahmen und Motive der Bush-Regierung zu wenig kritisch zu hinterfragen.
Tom Gjelten vom National Public Radio bestätigt die zurückhaltende Haltung der Presse in den Jahren nach dem 11. September: „Der 11. September brachte uns als Nation zusammen und wir in den Medien sind Teil dieser Nation. Wir haben die gleiche Verantwortung wie andere Bürger und die |