Geplant war es als Projekt, das die Welt in Staunen versetzen sollte: Masdar City, eine Stadt völlig emissionsfrei und vollkommen umweltfreundlich. Gebaut werden sollte sie in Abu Dhabi. Doch jetzt gibt es Probleme und Sultan al Jaber hat die Notbremse gezogen und eine Denkpause angeregt. Doch es ist mehr als das - das ganze Projekt steht even- tuell vor dem Aus.
Vielleicht wollte man eines der sieben Welt- wunder wieder auferstehen lassen, vielleicht folgte man einfach nur einer Vision. Doch wie alle Visionen könnte sich auch Masdar City bald als Utopie erweisen. Nicht zu bauen, nicht zu verwirklichen. Rund 50.000 Men- schen sollten dort wohnen und rund 1.500 Firmen sollte Masdar City beherbergen.
Leben sollten sie dort wie in einem moder- nen Märchen aus 1001 Nacht: Die benötigte Energie wird ausschließlich aus erneu- erbaren Ressourcen bezogen. Die gesamten Vorrichtungen für den Klimaschutz sollen rund 22 Milliarden US-Dollar kosten. Einen großen Teil der erneuerbaren Energien machen modernste Sonnenkollektoren aus. Die dünnen Kollektoren werden einem Schutzschild gleichend direkt in die Fassade und an die Hausdächer angebracht. Eine intelligent konzipierte Sensorentechnik wird den Verbrauch an Energie messen und demensprechend neue Energie aufbereiten und liefern. Ausgefeilte Kombinationen von Grünfläche, Straßen- und Gebäudebereichen sollen zusätzlich Energie sparen, für Kühlung sorgen und für eine gesunde Zirkulation sorgen.
Autos wird man in Masdar City vergeblich suchen. Sie werden durch strombetriebene Fahrzeuge ersetzt, welche den Ausstoß der |
schädlichen Abgase noch weiter vermindern sollen. Die Elektrofahrzeuge sind führerlos und werden voraussichtlich auf Magnet- schwebebahnen fahren. Zudem sollen auch umweltfreundliche Züge die Bewohner der Stadt von A nach B bringen.
Auch für das Trinkwasser-Problem mitten in der Wüste haben die Tüftler eine wunderbare Lösung gefunden: Eine riesige Entsalzungs- anlage soll die 50.000 Einwohner mit ge- nügend Trink- und Nutzwasser versorgen. Doch der Chef von Masdar Energie, Ziad Tassabehji, und der Chef der Masdar Immobilienentwicklung, Khaled Awad, haben ihren Job an den Nagel gehängt.
Offiziell heißt es: "Die Stabübergabe von Awad und Tassabehji zu ihren Nachfolgern wurde schrittweise vollzogen und wurde über einen Teitraum von fünf Monaten koordiniert. In schnell wachsenden Unternehmen ist es normal, dass die Belegschaft wechselt. Die Leute kommen und gehen; wir kommen sehr gute mit dem Wechsel klar."
Doch das ist wohl nur die halbe Wahrheit, denn Sultan al Jaber, Chef des Masdar-Projekts, hat die Notbremse gezogen und eine Denkpause verordnet. Man müsse die Realisierung des Unterfangens in Hinsicht auf die Finanzen überdenken. Dabei sollte die umweltfreundliche Stadt einmal als Prototyp an den Start gehen. Bei einer positiven Entwicklung von Masdar City sollten noch weitere emissionsfreie Städte dieser Art weltweit folgen. Geplant war, dass das Projekt 2015 fertig gestellt sein sollte. |