Nie mehr soll die Pleite einer Bank das globale Finanzsystem an den Abgrund bringen - so lautet das Ziel der EU-Kommission. Zwei Jahre nach dem Aus der Lehman-Bank geht Brüssel daher gegen Spekulanten vor. All zu riskante Börsenwetten soll es künftig nicht mehr geben.
Bei der Kontrolle riskanter Börsengeschäfte steht die Europäische Union noch ziemlich am Anfang. Binnenmarktkommissar Michel Barnier unternimmt nun einen neuen Anlauf. Er will den Handel mit Derivaten und Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps)regulieren. Auch hochriskante Börsenwetten wie Leerverkäufe will er von Aufsichtsbehörden künftig kontrollieren lassen - bis hin zum Verbot. Auf diese Weise will die EU-Kommission die Finanzmärkte krisenfest machen.
Warum sind Derivate so gefährlich?
Weil die Produkte so komplex sind, dass selbst Experten die Risiken oft nicht durchschauen. Ein Großteil dieser spekulativen Finanzprodukte wird außerhalb der Börse auf dem Graumarkt gehandelt - man spricht auch von einem Handel «over the counter» («über die Ladentheke»). Insbesondere Wetten auf die Wertentwicklung von Rohstoffen, Währungen oder Staatsanleihen werden wesentlich für die Finanzmarktkrise verantwortlich gemacht.
Was sieht der EU-Vorschlag vor?
Die EU will den gigantischen außerbörslichen Handel mit Derivaten transparenter und sicherer machen. Verkäufer und Käufer müssen Geschäft einem Transaktionsregister der Aufsichtsbehörden melden. Der Handel soll nicht mehr direkt zwischen den Marktteilnehmern, sondern über eine |
zwischengeschaltete Abwicklungsstelle laufen. Diese zentrale Gegenpartei (Central Counter Parties/CCP) von Börsen oder Clearingstellen fängt auch Ausfälle eines Marktteilnehmers auf, indem sie vorher Sicherheiten verlangt. Man verspricht sich davon, dass eine weltumfassende Kettenreaktion wie nach der Lehman-Pleite dadurch verhindert würde.
Für wen gelten die Regeln?
Für die Hauptakteure, also die Banken, aber auch für Unternehmen. Viele Konzerne sichern sich mit Termingeschäften gegen Preisschwankungen bei Devisen oder Rohstoffen ab, zum Beispiel sichern sich Fluggesellschaften auf diese Weise Kerosin zu einem bestimmten Preis. Das soll auch weiter möglich sein. Wenn eine bestimmte Umsatzschwelle überschritten ist, müssen die Firmen aber die Börse oder Finanzaufsicht informieren.
Sind Sanktionen vorgesehen?
Ja. Die neue europäische Wertpapieraufsicht ESMA, die Anfang Januar ihre Arbeit aufnehmen soll, spielt als Aufsicht eine zentrale Rolle. Damit die ESMA kein zahnloser Tiger bleibt, gibt es Strafen, allerdings sind diese noch recht unkonkret formuliert. Als Sanktionen sind «wirkungsvolle» Strafen vorgesehen, die die EU-Kommission allerdings noch nicht spezifiziert hat.
Werden ungedeckte Leerverkäufe verboten?
Nicht generell. Ein europaweites Verbot ungedeckter Leerverkäufe nach deutschem Modell plant die EU-Kommission nicht. Im Ausnahmefall sollen die Aufsichtsbehörden aber zeitlich befristet Wetten auf den Verfall einer Währungen oder Aktie verbieten können. Laut EU- Vorschlag soll der Verkäufer künftig zumindest nachweisen können, dass er für die Eindeckung mit dem |