Der größte deutsche Baukonzern HOCHTIEF könnte schon bald unter spanischer Führung stehen. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat einen Übernahmeantrag des Hochtief- Großaktionärs ACS nach langer Prüfung positiv beschieden. Die Spanier können nun die Mehrheit anstreben.
Der spanische Baukonzern ACS ist im Kampf um die Mehrheitsübernahme beim deutschen Konkurrenten HOCHTIEF einen großen Schritt weitergekommen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs- aufsicht (BaFin) gab am Montag grünes Licht für ein Übernahmeangebot für Hochtief. Das teilte die Behörde am Abend mit. Für den Hochtief-Vorstand ist die Genehmigung eine schwere Schlappe. Das Management des größten deutschen Konzerns wehrt sich seit Monaten vehement gegen den als «feindlich» eingestuften Übernahmeplan.
ACS habe während der Prüfungsphase seinen Antrag noch deutlich nachbessern müssen, berichtete die BaFin. Dazu zähle die erfolgte Kapitalerhöhung. Dagegen läuft zwar eine Klage spanischer Aktionärsschützer. Die BaFin macht aber nur zur Auflage, dass zum Ende der Annahmefrist für den angebotenen Aktientausch im Januar keine gerichtliche Verfügung gegen die Kapitalerhöhung bestehen dürfe.
Die Spanier dürfen nun ihren Anteil von knapp unter 30 Prozent auf über 30 Prozent ausbauen und sukzessive die Mehrheit übernehmen. «Mit der Erhöhung unserer Beteiligung bei HOCHTIEF wollen wir zum Weltmarktführer bei der Infrastrukturentwicklung aufsteigen. Wir werden dann größere Projekte rentabler angehen können», hatte ACS-Konzernchef und Real-Madrid-Präsident Florentino |
Pérez kürzlich auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Madrid gesagt.
Die neue Gruppe werde in mehr als 60 Ländern präsent sein, mehr als 35 Milliarden Euro umsetzen, mehr als eine Milliarde Nettogewinn erwirtschaften, Aufträge für 72 Milliarden Euro hereinholen und mehr als 213 000 Beschäftigte haben, erklärte Peréz.
Obwohl HOCHTIEF leistungsfähiger als ACS und im Verhältnis zu dem spanischen Konzern nahezu schuldenfrei ist, hatte der deutsche Konzern von Beginn an kaum Chancen , die Übernahme abzuwenden. Ursache hierfür ist eine Lücke im deutschen Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz (WpÜG), die ein „Einschleichen“ durch Großaktionäre ermöglicht. Denn wenn dieser Großaktionär einmal die 30-Prozent-Schwelle an einem in Deutschland börsennotierten Unternehmen erreicht hat, kann er seinen Anteil weiter erhöhen, ohne den Minderheitsaktionären erneut ein Übernahmeangebot unterbreiten zu müssen. In den meisten anderen europäischen Ländern existiert dagegen ein besserer Schutz der Minderheitsaktionäre.
Die schwarz-gelbe Bundesregierung war nicht bereit, die Übernahme des größten deutschen Baukonzerns durch eine entsprechende Gesetzesänderung zu verhindern oder zumindest bessere Konditionen zu ermöglichen.
Mit Material von dpa
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