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Leipzig (ots). Das Statistische Bundesamt hat heute die erste Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt 2010 bekannt gegeben. Ein Gespräch mit Roderich Egeler, dem Präsidenten des Statistischen Bundesamtes, über die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands im abgelaufenen Jahr.
Herr Egeler, wie hat sich die deutsche Wirtschaft im Jahr 2010 entwickelt?
Deutschland erlebte 2010 einen rasanten Aufschwung nach der Krise. Nach unserer ersten Schätzung war das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt 2010 um 3,6% höher als im Jahr zuvor. Allerdings ist dies vor dem Hintergrund zu sehen, dass die deutsche Wirtschaft 2009 die stärkste Rezession der Nachkriegszeit verkraften musste. Im Vorjahr war das BIP noch um 4,7% gesunken, das Vorkrisenniveau ist 2010 also noch nicht wieder erreicht.
Der Arbeitsmarkt war in der Krise ja erstaunlich stabil. Wie hat er sich jetzt im Aufschwung entwickelt?
Die Zahl der Erwerbstätigen erreichte im Jahr 2010 mit rund 40,5 Millionen einen neuen Rekordstand. Das waren etwa 212 000 Personen mehr als 2009.
Die deutschen Unternehmen hatten auf die Krise kaum mit Entlassungen reagiert. Stattdessen kamen Instrumente wie Kurzarbeit oder der Abbau von Überstunden zum Einsatz. Wie hat sich die Rückführung dieser Maßnahmen auf dem Arbeitsmarkt ausgewirkt?
Das äußerte sich vor allem in der Zunahme der geleisteten Arbeitsstunden. Gesamtwirtschaftlich arbeitete 2010 jeder Erwerbstätige 2% mehr als im Jahr zuvor. Besonders stark war dieser Anstieg mit 5,7% im Produzierenden Gewerbe. |
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Haben eigentlich alle Branchen vom Aufschwung profitiert oder gab es dort Unterschiede?
Bis auf die Land- und Forstwirtschaft konnten alle Bereiche ihre Wirtschaftsleistung steigern. Besonders hervorzuheben ist aber das Produzierende Gewerbe, dessen Bruttowertschöpfung im Jahr 2010 um 10,3% zunahm. Allerdings hat es damit den Absturz des Vorjahres noch nicht wieder vollständig aufgeholt.
Im Zuge der Krise war der Außenhandel ja regelrecht eingebrochen. Konnte er 2010 - wie häufig in früheren Jahren - wieder Wachstumsimpulse geben?
Eindeutig ja. Deutschland exportierte 2010 um 14,2% mehr als 2009. Gleichzeitig stiegen die Importe etwas weniger stark, nämlich um 13%. Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang aber, dass 2010 auch die Binnennachfrage erheblich zum Wachstum beigetragen hat.
Sie meinen die Investitionstätigkeit und den Konsum?
Antwort 6 (22 sec.): Genau. 2010 wurde erheblich mehr investiert als 2009. Vor allem die Ausrüstungsinvestitionen legten deutlich zu - um 9,4%. Auch vom Konsum gingen positive Impulse aus: Der private Konsum nahm um 0,5% zu, der Staatskonsum stieg sogar um 2,2%.
Konnten die Arbeitnehmer 2010 vom Aufschwung profitieren?
In der Tat. Die durchschnittlichen Bruttolöhne und -gehälter je Arbeitnehmer sind 2010 um 2,2% gestiegen. Netto hatte jeder Arbeitnehmer sogar 3,4% mehr in der Tasche. Das war der stärkste Zuwachs seit 1993. Auch real bedeutete dies ein Plus, die Verbraucherpreise stiegen nämlich nur um 1,1%.
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