An Spanien könnte sich die Zukunft der EU entscheiden. Nach Griechenland, Irland und Portugal geraten auch spanische Anleihen ins Visier der Anleger. Spanien unterscheidet sich in zwei Gesichtspunkten von den bisherigen Pleitekandidaten:
• The spanische Ökonomie ist größer als die der anderen drei Länder zusammen. Ein Bail-out ist damit bedeutend schwieriger. Genauso würde eine spanische Depression auch große Auswirkungen auf die anderen EU-Länder haben.
• Spanien hat keine übermäßigen Schulden aufgenommen (im Gegensatz zu etwa Griechenland), und hat zumindest versucht, die Banken frühzeitig zu regulieren (im Gegensatz zu Irland). Die spezifischen Eigenschaft der Krise ist eine Immobi- lienblase - damit ähnelt Spanien eher den Vereinigten Staaten.
Was bedeutet dies für die EU? Eine große Immobilienblase kann eine sogenannte Bilanzie- rungsrezession hervorrufen. In einer solchen Rezession ist es kein Problem, dass es keinen Zugang zu flüssigem Geld gibt. Die Krux ist, dass die Bilanzen von Unternehmen und Bürgern tief in den negativen Zahlen stecken. Unter solchen Umständen investieren Unternehmen aber nicht - das Abzahlen der Schulden hat Vorrang vor Profitmaximierung. Obwohl Spanien an sich wirtschaftlich solide aufgestellt ist, könnte Spanien in einer schweren Depression enden - nicht ohne Auswirkungen auch auf Deutschland.
Die japanische Erfahrung aus den 90ziger Jahren bietet eine hilfreiche Lehre. Nach einer dramatischen Immobilien- blase ist |
Japan damals in eine Bilanzierungs- rezession gerutscht. Die Arbeitslosenrate ist in den 90ziger Jahren jedoch stabil geblieben, und die Gesamtgröße der Ökonomie ist sogar gewachsen. Grund war die großzügige Fiskalpolitik der japanischen Regierung: Mit neuen Schulden wurden Infrastrukturen weiter aufgebaut, und indirekt damit auch das Gesamtsteueraufkommen stabil gehalten. Überflüssiges Geld wurde damit vom Markt aufgewischt und in den Arbeitsmarkt gesteckt, anstatt dass dieses mit Spekulationen die nächste Blase antreibt.
Spanien und Irland sind offensichtlich in einer ähnlichen Situation wie Japan 1990. Den europäischen Ländern der Peripherie fehlt es jedoch an Finanzkraft, um allein mit der Krise umzugehen. An dieser Stelle kann die EU und Mitteleuropa solidarisch einschreiten, auch um die eigene langfristige Zukunft zu sichern. Gerade Deutschland profitiert am meisten von einem einheitlichen euro- päischen Wirtschaftsraum (die Ökonomen nennen dies Kern-Peripherie Dynamik) und kann mit solidarischem Handeln sich einerseits verantwortlich zeigen, und an- dererseits die Zukunftsfähigkeit Europas auch im eigenen Interesse sichern.
Konkret: Die EU und speziell Deutschland könnte Spanien und die europäische Peripherie mit klugen Investionen genau am richtigen Zeitpunkt stimulieren. Das kann etwa durch gemeinsam herausgegebene Eurobonds finanziert werden. Ein solcher Stimulus kann drei Aufgaben erfüllen. Zum einen kann die europaweit höchste Arbeitslosenrate von 20% gelindert werden (was auch zu einer |