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Fischblasen,Hammeldärme, allerlei Kräuter, der schnelle Rückzug oder schlicht ein Keuschheitsgürtel: Methoden der Empfängnisverhütung hat es viele gegeben in der Menschheitsgeschichte. Am 12. Juli 1929 stellte der damals noch unbekannte Gynäkologe Hermann Knaus aus Graz zum ersten Mal eine wissenschaftlich fundierte Methode zur Familienplanung vor. Als „Knaus-Ogino-Methode“ ist sie heute bekannt.
Am Anfang der Erkenntnis stand ein Kaninchen. Im Januar 1927 untersuchte der junge Mediziner Hermann Knaus von der Universitäts-Frauenklinik in Graz ein schwangeres Kaninchen. Dabei entdeckte er einen Zusammenhang zwischen den Eierstöcken, dem dort produzierten Schwangerschaftshormon und der Gebärmutter. Hermann Knaus war damit dem Geheimnis des Eisprungs auf der Spur. Dem Geheimnis der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Zyklus der Frau.
1928 konnte der Mediziner in Berlin unter dem Röntgenschirm dann die menschliche Gebärmutter beobachten. Einmal, so berichtet er, war der Muskel schlaff und träge, dann wieder bewegte er sich kräftig. Auch hier sah Knaus einen Zusammenhang zwischen den Eierstöcken, dem Schwangerschaftshormon und der Gebärmutter.
Um den Termin des Eisprungs genau zu bestimmen, machte Hermann Knaus einen nächsten Schritt, sagt Susanne Krejsa vom weltweit einzigen „Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch“ in Wien: „Er hat dann am lebenden Menschen seine Erkenntnis zu verifizieren versucht, in dem er alle Mitarbeiterinnen - durchhaus |
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nachhaltig - darum gebeten hat, Aufzeichnungen über ihre Menstruation zu führen. Und hat diese Seriendaten dann miteinander in Beziehung gesetzt.“
Durch all seine Untersuchungen an Kaninchen und an Menschen kam Hermann Knaus zu drei Erkenntnissen. Die erste Erkenntnis: die weibliche Eizelle kann nur kurz befruchtet werden. „Das hat komischerweise niemand besonders aufgeregt,“ erzählt Susanne Krejsa. „Um die zweite Erkenntnis, nämlich dass die männliche Samenzelle nicht sehr lange befruchten kann, wurde ein fürchterliches Hick-hack gemacht. Man kann darüber mutmaßen, ob das mit dem männlichen Ego zu tun hatte. Die medizinische Welt war damals eine männliche...“ Die dritte Erkenntnis des Mediziners, dass es einen konstanten Zeitabstand zwischen Eisprung und nachfolgender Menstruation gibt wurde ihm schlicht nicht geglaubt.
Auf dem Gynäkologenkongress im Juli 1929 in Leipzig stellte Hermann Knaus einer verblüfften Fachwelt seine Methode zur Familienplanung vor. Zum ersten Mal hatten Paare durch das Errechnen der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage der Frau die Möglichkeit, ohne mechanische oder chemische Hilfe eine Schwangerschaft zu verhüten oder auch gezielt ein Kind zu zeugen - ein Revolution zur damaligen Zeit.
Die Nationalsozialisten verboten 1934 das Buch des Kärntner Mediziners. Die deutsche Frau sollte dem Führer schließlich viele Kinder schenken. Als die Nazis jedoch erkannten, dass die Knaus-Ogino-Methode auch zur gezielten Zeugung genutzt werden konnte, erhielten die deutschen Soldaten die Aufforderung, ihren Heimaturlaub nach den fruchtbaren Tagen ihrer Frau zu planen. |
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