Mehr als 25 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pustet die Menschheit jährlich in die Atmosphäre. Was in kleinen Mengen beispielsweise in Bier und Mineralwasser unschädlich ist, heizt in großen Mengen das Klima auf. Weltweit suchen Wissenschafter nach Lösungen. Eine davon heißt CO2-Sequestrierung oder auch CCS („carbon capture and storage“). Dabei wird CO2 unterirdisch gespeichert wie beispielsweise in der Nordsee durch den norwegischen Ölkonzern Statoil. Das lohnt sich für Statoil, weil der Konzern die norwegische CO2- Steuer spart. Auch ein kanadischer Ölkonzern profitiert von der Methode, indem er so die letzten Ölreste aus einem fast völlig ausgebeuteten Ölfeld herausquetscht.
Das sind die Ausnahmen. Noch ist die CCS-Methode nicht so weit ausgereift, dass sie Gewinne erbringt - im Gegenteil. Für den Modellversuch im brandenburgischen Ketzin westlich von Berlin muss Kohlendioxid sogar für teures Geld eingekauft werden. Vom Gesamtbudget von 35 Millionen Euro schlagen die Gaslieferungen mit 4,2 Millionen zu Buche.
Die hohen Kosten sind denn auch das Hauptargument der Kritiker dieser Methode. Die unterirdische Lagerung von einer Tonne CO2 kostet derzeit vierzig Euro. An der Börse für Emissionszertifikate zahlen Unternehmen hingegen nicht einmal einen Euro für das Recht, in gleicher Menge CO2 freizusetzen. CCS-Gegner schlagen vor, statt in ein Lager zu investieren, Kohlendioxid zu vermeiden und umweltfreundliche Energien stärker auszubauen. |
Die Befürworter der Methode räumen zwar ein, dass es keine Lösung für die anstehende Renovierung der bestehenden Kohlekraftwerke in Deutschland sei. Aber als Zwischenlösung könne es einen Zeitgewinn ermöglichen. Auch das Umweltministerium unterstützt das Konzept und verweist zudem auf die Exportchancen. Aufstrebende Länder wie China und Indien seien noch auf Jahre auf ihre enormen fossilen Brennstoffe angewiesen. Auch wenn CCS noch nicht wirtschaftlich sei, könne man nicht auf diesen Ansatz verzichten.
Der Bedarf wäre in Deutschland schon da. Ein einziges Großkraftwerk produziert im Jahr bis zu fünf Millionen Tonnen CO2. Für ganz Deutschland liegt der jährliche Speicher- bedarf bei 350 Millionen Tonnen. In der unterirdischen Testdeponie von Ketzin will man in den nächsten zwei Jahren gerade einmal 75.000 Tonnen einlagern.
Ende letztes Jahr hat man begonnen, ver- flüssigtes CO2 in eine Tiefe von 600 bis 700 Metern zu pumpen. Das federführende Geo- forschungszentrum Potsdam will untersu- chen, wie sich Kohlendioxid in der mit Salz- wasser gefüllten porösen Sandsteinschicht ausbreitet. Günter Borm, der Leiter des Projektes, verweist darauf, dass auch Erdgas und Erdöl seit zig Millionen Jahren in solchen geologischen Lagerstätten sicher einge- schlossen seien.
Probleme könnte es jedoch geben, wenn größere Mengen schnell an die Oberfläche durchdringen. 1986 gab es einen solchen Fall am Niosee in Kamerun, wo plötzlich Mil- |