Bei Alfred Bellebaum stapelt sich das Glück. Es ist ungefähr 30 Zentimeter hoch und zehn Zentimeter breit, und es liegt direkt vor direkt neben dem Schreibtisch. Und das Beste daran: es ist zum Anfassen, Anschauen
und darin Verweilen. Dreizehn Bände über das Glück hat der emeritierte Professor für Soziologie und ausgewiesene Experte für
Glücksforschung teils herausgegeben teils selbst geschrieben.
Verheißungsvolle Titel wie etwa „Glücksforschung - Eine Bestandsaufnahme“
oder „Leseglück - Eine vergessene Erfahrung“ oder auch „Staat und Glück
- Politische Dimensionen der Wohlfahrt“ sind darunter. Ein weiterer Band entsteht gerade. Ist er publiziert, wird der Glücksberg des 76-Jährigen in seiner Wohnung in Vallendar bei Koblenz am deutschen Eck um ein weiteres Stückchen anwachsen. Gegen etwaige Versuche einer psychologischen Deutung, der Gegenstand seiner Forschung und seiner wissenschaftlichen Leidenschaft könne etwas mit seinem Leben, ja seiner Glücks- und Sinnsuche zu tun haben, setzt er sich entschieden zur Wehr: „Ich möchte nicht noch im fortgeschrittenen Alter im Nachhinein meine Biografie stimmig machen und jetzt noch beginnen, an der Vergangenheit rumzufummeln.“
Immerhin hat er in eigener Regie und mit begrenzten finanziellen Mitteln |
mehrere Tagungen zum Thema organisiert und dafür Wissenschaftler nach Koblenz gebracht.
Ob das Thema etwas mit seiner eigenen Person zu tun habe, das wisse er nicht. Und er will es gar auch nicht herausfinden, jetzt schon gar nicht mehr: „Die beschwerliche Reise ins Unterbewusste kann ich mir sparen.“Auf Interpretationen, warum er das alles tut, will er sich auf keinen Fall festlegen.Schließlich sei der Fokus seiner Arbeit immer ein ausdrücklich wissenschaftlicher gewesen: „Mich interessiert die Sehnsucht des Menschen nach Glück.“ Um das herauszufinden, war sein Ansatz stets ein interdisziplinärer.
Bei den Ökonomen hat er geforscht, aber auch Anthropologen, Theologen, Philosophen und Hirnforscher mit einbezogen. Von Journalisten wurde der Mann des Glücks immer wieder gefragt, wie denn der Professor zum Thema gekommen sei oder umgekehrt das Glück zur Soziologie. Gelangweilt
reagiert er daher zunächst auf die sich ewig wiederholende Frage. Aber dann doch, im Laufe eines Vormittags, fängt Alfred Bellebaum schließlich an, sich zu erinnern, wie das war, als er an der Universität Köln zunächst Betriebswirtschaft studiert hatte und dann in einem seiner Wirtschaftslehrbücher ein soziologischer Artikel auftauchte.
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