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Flughunde in Australien
17.05.2008
Ein Vertriebener wird zum Störenfried
Am späten Nachmittag, kurz bevor die Tore des Botanischen Gartens in Sydney schließen, wird die Kolonie Fledertiere zusehends unruhiger. Mit spitzen Lauten wird gegen Unruhestifter protestiert, die ihrem Nachbarn versehentlich die ein Meter Spannweite langen Flügel um die Ohren geschlagen haben. Wenn die Sonne ihren Tiefstand erreicht hat, ist der große Moment gekommen:

Tier um Tier öffnet die ledernen Flügel und stößt sich ab. Der dunkelblaue Abendhimmel wird noch schwärzer. Es wimmelt jetzt nur so vor Schatten, die auf wundersame Weise nicht miteinander kollidieren. Elegant flattern sie durch den Nachthimmel, den Flügelschlag kann man aus 15 Metern Entfernung gut hören. Die Assoziation mit Vampiren in Tiergestalt drängt sich auf; dabei handelt es sich um Früchte naschende Fledertiere, die an Menschenblut reichlich desinteressiert sind. Tausende machen sich diese wie jede Nacht auf, um auf die Suche nach Früchten, Nektar und Blüten zu gehen. Ihr Ziel sind die Obstgärten Sydneys und seiner Vororte.

Hat man das Spektakel mit in den Nacken zurückgelegtem Kopf verfolgt, braucht man sich als Tourist nicht weiter auszuweisen. „Flying foxes“, zuckt der Australier gleichgültig mit den Schultern (zu dtsch.: Flughunde). Flughunde (Megachiroptera) bilden mit Fledermäusen (Microchiroptera) zusammen
die Ordnung der Fledertiere. Ihr Name ist dem hundeartigen Gesicht mit langen Schnauzen geschuldet. Außer des auffallenden Größenunterschieds gibt es weitere Unterschiede: Flughunde besitzen zwar eine empfindliche Nase und sehen gut, aber sie besitzen keine Echoortung.

In Sydney sind Flughunde mehr Ärgernis als Attraktion. Seit dem Erstauftreten von 200 Flughunden im Botanischen Garten im Jahr 1989, hat sich deren Zahl über die Jahre auf 11.000 (Stand: 2007) erhöht. Die resultierenden Baumschäden am Bestand historischer und kulturell seltener Pflanzen sind besorgniserregend. Die Botaniker tröstet es daher wenig, dass wandernde Flughunde als Blütenbestäuber und Samenträger anderorts eine wichtige ökologische Funktion erfüllen.

Photos: www.sydneynature.com
Photos: www.sydneynature.com

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