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Britannien will Herstellung von Chimären erlauben
20.05.2008
Englisches Gruselkabinett
Das britische Parlament will die Herstellung von Embryonen aus menschlichem Erbgut und Eizellen von Tieren, also so genannten Chimären erlauben. Mit 336 zu 176 Stimmen wiesen die Abgeordneten einen Antrag zurück, solche Forschungen generell zu verbieten.

Die Produktion solcher Chimären ist höchst umstritten. Kritiker sprechen weltweit von "monströsen" Auswüchsen der Forschung und einem Herumpfuschen an der Natur. Vor allem bei konservativen Abgeordneten war der Entwurf allerdings sehr umstritten. Wegen der stark abweichenden Meinungen wurde die Fraktionsdisziplin bei der Abstimmung aufgehoben.

Die Abstimmung war Teil der parlamentarischen Beratungen über ein Gesetz, das den Umgang mit Embryonen neu regeln soll. Dem Entwurf zufolge müssen Tier-Mensch-Embryonen nach spätestens zwei Wochen zerstört werden und dürfen nicht in die Gebärmutter einer Frau eingepflanzt werden. Wissenschaftler erhoffen sich neue Therapiemethoden für Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer oder Mukoviszidose.

Bislang sollen solche "Chimären" nur in den USA, Südkorea und China zu Forschungszwecken produziert worden sein. In Europa gaben vor wenigen Wochen britische Forscher der Universität Newcastle bekannt, dass sie ein Mischwesen erzeugt und damit einen wichtigen Erfolg für die Stammzellenforschung erzielt hätten.

Premierminister Gordon Brown hatte sich jedoch nachdrücklich für ein Ja zur Embryonenforschung ausgesprochen. Es sei eine "moralische Anstrengung", mit der Tausende und langfristig Millionen Leben gerettet werden könnten.
Auch der konservative Oppositionsführer David Cameron hatte seine Zustimmung angekündigt.

Der konservative Politiker Edward Leigh prangerte eine "Frankenstein-Wissenschaft" an. "Ich glaube, dass die Wissenschaft wunderbare Dinge vollbringt, aber sie kann auch Schreckliches tun", mahnte Leigh. "Nach meiner Überzeugung sollte die Wissenschaft unser Diener sein und nicht unser Herr."

Nach Angaben der Universität Newcastle von Anfang April wurden Embryonen aus menschlichem Erbgut, das aus Hautzellen gewonnen wurde, und Eizellen von Kühen geschaffen. Ein Argument der Forscher ist, dass tierische Eizellen im Gegensatz zu menschlichen unbegrenzt zur Verfügung stünden. Die Embryonen seien nach drei Tagen wieder zerstört worden.

In einem weiteren Versuch wollten die Forscher die Hybriden zunächst sechs Tage leben lassen. Sollten die Versuche erfolgreich sein, könnten auch Embryonen aus Mensch und Kaninchen, Ziegen und anderen Tieren entstehen. Ähnliche Experimente wollten auch Stammzellenforscher am King's College in London vornehmen. Auch sie haben eine Behördengenehmigung.


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