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Stuttgart/Hohenheim: Interview mit Professor Reiner Doluschitz zur Wissenschafts- Kooperation mit China
03.06.2008
"Ruhe bewahren"
In China zu forschen ist nicht immer einfach. Das hat Reiner Doluschitz, Professor für Landwirtschaftliche Betriebslehre an der Universität Hohenheim, selbst erfahren. Er leitet ein deutsch-chinesisches Graduiertenkolleg zur nachhaltigen Landwirtschaft in China. Antje Schmid hat ihn für tagesblick interviewt.


Schmid: Herr Doluschitz, das erste und auch traditionsreichste deutsch - chinesische Graduiertenkolleg der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist gerade um viereinhalb Jahre verlängert worden. Sind Sie erleichtert?

Doluschitz: Ja, sehr. Die Begutachtung unseres Projektes im vergangenen Herbst war deutlich positiv. Da wir auf eine erfolgreiche Zeit zurückblicken können, hatte ich ein gutes Gefühl. Aber man hat einfach nicht alles in der Hand. Etwa bei den Finanzen. Da können einen Kürzungen sehr überraschend treffen. Aber ich denke, wir müssen uns nicht verstecken.
Wir haben in der ersten Projektphase vielversprechende Ergebnisse erzielt und einen regen Austausch der Wissenschaftler auf beiden Seiten organisiert.

Schmid: Wenn Sie heute eine erste Bilanz des Projektes ziehen, was waren bisher Ihre größten Erfolge?

Doluschitz: Die Hälfte der deutschen Doktoranden aus der ersten Projektphase, also fünf von zehn, hat ihre Promotion inzwischen erfolgreich abgeschlossen. Und die anderen werden fertig. Leider lässt sich die Zahl der chinesischen Nachwuchswissenschaftler nicht genau beziffern. Auch inhaltlich sind wir sehr zufrieden. Wir konnten die Ziele, die wir uns gesteckt hatten, weitgehend erreichen.
Wir haben festgestellt, dass in der nordchinesischen Tiefebene - der Kornkammer Chinas - mit einem deutlich geringeren Einsatz von Ressourcen gleichbleibende Erträge stabil erzielt werden können.

Schmid: Was waren bisher die größten Herausforderungendes Graduiertenkollegs?

Doluschitz: Die interkulturellen Unterschiede waren in dieser Form zu Beginn nicht absehbar. Sie bleiben die größte Schwierigkeit des Graduiertenkollegs. So ist beispielsweise der Umgang mit Kritik in Asien grundsätzlich anders als bei uns in Europa. Konflikte werden weit weniger offen ausgetragen. Unterschiede gibt es auch im Umgang mit den Urheberrechten. Und es kommt noch etwas hinzu: Auch bezüglich der offenen Diskussion neuer Ideen stellen wir bei unseren chinesischen Partnern teilweise eine gewisse Zurückhaltung fest. Gerade dieser Punkt ist jedoch essenziell für Forschungsverbünde, die kooperativ und interdisziplinär ausgerichtet sind. Wir sind also auch künftig dazu aufgefordert, gegenseitig voneinander zu lernen.

Schmid: Die Deutsche Forschungs- gemeinschaft hat Ihnen erneut rund 2,8 Millionen Euro für das Projekt bewilligt. Auch das chinesische Bildungs- ministerium beteiligt sich. Wie hoch ist dessen Anteil?

Doluschitz: Um ehrlich zu sein: wir wissen nicht, wie viel wir von chinesischer Seite bekommen haben, wir kennen keine Zahlen. Weder für die vorangegangene Phase noch für die kommende. Wir sehen lediglich: die chinesischen Stipendiaten sind da, die Reisekosten werden bezahlt, die Versuchslabore sind vorhanden, und die Feldversuche werden durchgeführt.
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