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In Tennessee findet vor 83 Jahren der „Affenprozess" statt
08.07.2008
Des Menschen Abstammung vor Gericht

„Es war, als ob ein großer Zirkus die Stadt überfallen hätte“, so erinnert sich später ein Prozessbeobachter. Am Morgen des 10. Juli 1925 haben sich Hunderte von Schaulustigen vor und im Gerichtsgebäude in Dayton im Bundesstaat Tennesee versammelt, um den „Affenprozess“ zu erleben.

Angeklagt ist der 24-jährige Lehrer John T. Scopes. Er hatte seinen Schülern die Evolutionstheorie erklärt. Und zwar auf Wunsch findiger Geschäftsleute aus Dayton. Sie wollten mit einem skandalträchtigen Prozess ihre verschlafene Kleinstadt bekannt machen.

Nachdem das sogenannte Butler-Gesetz die Lehre der Evolution in staatlichen Schulen verboten hatte, reagierte nämlich die American Civil Liberties Union. Die einflussreiche Bürgerrechtsorganisation versprach jedem Lehrer rechtlichen Beistand, der gegen dieses Gesetz verstieß. Die Geschäftsleute überredeten also Scopes, sich der Justiz zu stellen - und der erhielt prompt wegen seines Gesetzesbruchs einen Gerichtstermin und einen berühmten Verteidiger. Dayton wird so im Juli 1925 zur Bühne für den Kampf zwischen den Anhängern der Schöpfungslehre und den Anhängern der Evolutionstheorie, beim „Scopes Monkey Trial“ - dem „Affenprozess“.

Der Plan der Geschäftsleute scheint aufzugehen. Telegrafenleitungen werden verlegt, eine Plattform für die Wochenschau-Kameras aufgebaut. Einheimische vermieten ihre Häuser zu Höchstpreisen an die rund 200 angereisten Journalisten. Auf der Hauptstraße von Dayton werden Limonadenstände errichtet. Verkleidete Affen führen
Kunststücke vor und christliche Wanderprediger verkünden die frohe Botschaft. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA wird ein Gerichtsprozess vom Rundfunk übertragen.

Sowohl die Anklage, als auch die Verteidigung werden durch damals berühmte Männern vertreten. William Jennings Bryan, der Ankläger, ist ein ehemaliger Außenminister, dreimaliger Präsidentschaftskandidat und bekennender Kreationist. Clarence Darrow ist ein berühmter Strafverteidiger und erklärter Agnostiker. Nach dem Einzug der beiden Hauptdarsteller - und natürlich auch des Angeklagten - beginnt der Schauprozess mit einem Gebet - der Richter ist immerhin ein guter Christ.

Das Verfahren plätschert in den ersten Tagen wenig spektakulär dahin. Bis es am 20. Juli heiß wird - das Gericht zieht sich wegen der drückenden Hitze aus dem Saal in den Schatten der Bäume zurück. Unter einem großen Banner mit der Aufschrift „Lies Deine Bibel“ beginnt vor dem Gerichtsgebäude ein Kreuzverhör, das in die amerikanische Rechtsgeschichte eingeht. Der Verteidiger ruft den Ankläger in den Zeugenstand - als Bibelexperten.

Bryan lässt sich ein auf das Spiel des Verteidigers - die beiden erfahrenen Juristen liefern sich eine Redeschlacht über die wörtliche Auslegung der Bibel . Ist Jona wirklich von einem Wal verschluckt worden? Und hat Gott die Welt in sechs Tagen erschaffen?
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